Solidarische Finanzierung der Pflegeausbildung!

Stichwort:

Solidarische Finanzierung der Pflegeausbildung!

Worum geht es?

Die Finanzierung der gesamten Pflegeausbildung soll nachhaltig durch die Politik gesichert werden. Alle Einrichtungen, die Pflegepersonal beschäftigen, sollen sich an den Ausbildungskosten beteiligen.

Warum?

Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Ausbildung zukünftiger Pflegefachkräfte soll daher solidarisch finanziert werden und nicht zu Lasten der ausbildenden Pflegeeinrichtungen gehen.

Im Detail fordern wir:

  • Wir fordern den Gesetzgeber auf, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um die Finanzierung der Ausbildung dauerhaft sicherzustellen.
  • Die Finanzierung der gemeinsamen Pflegeausbildung muss die Gesamtkosten der Pflegeausbildung umfassen. 
  • Alle die von der Ausbildung profitieren, sind zu einer solidarischen Finanzierung der Pflegeausbildung verpflichtet.
  • Wir fordern von der Landesregierung ein tragfähiges Konzept zur Mitfinanzierung der Schulkosten der neuen gemeinsamen Pflegeausbildung und zur Umsetzung der solidarischen Finanzierung der Ausbildungsvergütung.

Die Ausbildungskosten setzen sich zusammen aus:

  • Finanzierung des angemessenen Schulgeldes
  • der tariflichen Ausbildungsvergütung
  • der Praxisanleiter-Stellen (Freistellung von 5 Wochenstunden pro Auszubildenden und Übernahme der Kosten für die Qualifizierung als Praxisanleiter/in)

     

Hintergründe

Die Pflegeausbildung in Deutschland ist ähnlich wie im dualen Berufsausbildungssystem organisiert: Neben dem Besuch einer Altenpflegeschule absolvieren die Auszubildenden die praktische Ausbildung in einer Altenpflegeeinrichtung.

Die Finanzierung des Besuchs einer Altenpflegeschule erfolgt in Hessen durch das Sozialministerium. Die Anzahl der Ausbildungsstellen, für die Schulgeld gezahlt wird, ist begrenzt. Dies steht dem benötigten Mehrbedarf an Pflegekräften entgegen. Durch eine in 2011 wirksam gewordene Kürzung des Schulgeldes ist zudem das qualitativ hohe Niveau der Altenpflegeausbildung gefährdet.

Die Finanzierung der praktischen Ausbildung erfolgt durch die ausbildende Pflegeeinrichtung. Diese zahlt der / dem Auszubildenden eine monatliche Vergütung. Darüber hinaus finanziert sie eine/-n Praxisanleiter/-in. Diese Person leitet die Auszubildenden in der Pflegeeinrichtung an und betreut sie. Hierzu muss diese Pflegefachkraft Stunden aufbringen, in denen sie andernfalls hilfs- und pflegebedürftige Menschen versorgen würde. Hierdurch und auch durch die notwendige Weiterbildung zum Praxisanleiter entstehen der ausbildenden Pflegeeinrichtung zusätzliche Kosten.

Hessische Altenpflegeeinrichtungen haben daher die Möglichkeit, die Ihnen entstandenen Ausbildungskosten an ihre Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Das geschieht in Form eines Ausbildungszuschlags.

Das heißt: Zusätzlich zu dem Rechnungsbetrag für Pflegeleistungen, Unterkunft in einem Pflegeheim und / oder Betreuungsleistungen ist ein Mehrbetrag zu zahlen. Dieser Mehrbetrag wird nicht von den Kranken- oder Pflegekassen übernommen. Er ist durch die Kundin / den Kunden selbst zu zahlen.

Erhoben werden kann der Ausbildungszuschlag nur von Altenpflegeeinrichtungen, die ausbilden. Nutzen sie diese Möglichkeit - so sind sie in der Leistungserbringung teurer als Altenpflegeeinrichtungen, die nicht ausbilden und haben dadurch gegenüber nicht ausbildenden Altenpflegeeinrichtungen einen preislichen Wettbewerbsnachteil, wenn ihre Kunden die Presie vergleichen und sich für eine preiswertere Einrichtung entscheiden.

Da viele Altenpflegeeinrichtungen auf der einen Seite ohne Beanspruchung des Ausbildungszuschlags die Ausbildungskosten für Pflegekräfte nicht tragen können, auf der anderen Seite bei Beanspruchung des Ausbildungszuschlags den entstehenden Wettbewerbsnachteil nicht verkraften können, verzichten sie gänzlich darauf, auszubilden. Dies führt dazu, dass sich der Fachkräftemangel noch weiter verschärft.

Zahlen zum Bedarf an Pflegekräften in Hessen

Das hessische Sozialministerium hat bereits vor mehreren Jahren den hessischen Pflegemonitor in Auftrag gegeben. Dieses Informationssystem beschreibt die aktuelle Pflegekräftesituation in den einzelnen Regionen Hessens und dient der Einschätzung zukünftiger Entwicklungen auf dem Pflegearbeitsmarkt.

Bereits bei den Erhebungen aus dem Jahr 2006 war in einigen Regionen Hessens die Nachfrage nach examinierten Altenpflegekräften größer als das Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Bei den zuletzt veröffentlichten Zahlen aus dem Jahr 2008 hatte sich die Situation bereits zugespitzt: schon damals gab es einen Mangel von mehr als 500 Altenpflegekräften in Hessen. Die neuesten Zahlen zeigen, dass der Arbeitsmarkt für Altenpflegekräfte viel schneller leergefegt wurde, als noch vor 2 Jahren angenommen: nach noch unveröffentlichten Zahlen aus den hessischen Altenpflegeeinrichtungen konnten bereits im Jahr 2010 fast 2000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden. Zu diesen bereist jetzt fehlenden Altenpfleger/-innen kommen nach den Vorausberechungen bis zum Jahr 2020 weitere 2.878 Fachkräfte, die z.B. aufgrund des demografischen Wandels zusätzlich für die Pflege alter Menschen in Hessen benötigt werden.