Verankerung des Themas "Alter und Pflege" in den Lehrplänen allgemeinbildender Schulen!

Stichwort:

Verankerung des Themas "Alter und Pflege" in den Lehrplänen allgemeinbildender Schulen!

Worum geht es?

Das Thema "Alter, Altersbilder und Pflege" soll in den Lehrplänen (Kerncurricula) allgemeinbildender Schulen verankert werden.

Warum?

Kinder und Jugendliche sollen schon früh einen Bezug zu den Themen "Alter", "Altersbilder" und "Pflege" bekommen. Die junge Generation soll Verständnis und Toleranz für die Bedürfnisse der älteren Menschen entwickeln. Dadurch soll das gesellschaftliche Zusammenleben zwischen Alt und Jung im Hinblick auf gegenseitige Unterstützung verbessert werden.

Im Detail fordern wir:

  • Wir fordern die Aufnahme des Themas "Alter, Altersbilder und Pflege" in den Katalog der verbindlichen, mindestens jedoch der fakultativen, Lerninhalte im Fach Sozialkunde der Jahrgangsstufe 7 "Zusammenleben in der Familie".
  • Ebenso sollte ausführlich im verbindlichen Thema "Gesetzliche und private Alterssicherungssysteme" "Pflege im Alter" behandelt werden.
  • Auch in anderen Unterrichtsfächern, insbesondere in Ethik, evangelischer und katholischer Religion, Deutsch und Kunst muss das Thema "Alter, Altersbilder und Pflege" angemessen aufgegriffen werden.
  • Das zuständige Ministerium wird aufgefordert, geeignete Unterrichtsmaterialien entwickeln zu lassen und zur Verfügung zu stellen.

Hintergründe

Altersbilder - weitere Dimension des demografischen Wandels.

Schüler lernen oft den demografischen Wandel in der Dimension der Zahlen kennen. Die steigende Zahl der älteren Menschen wird als kommendes Versorgungsproblem angesprochen. Eine weitere Dimension der gesellschaftlichen Veränderungen wird jedoch oft vernachlässigt - die Altersbilder.

Der sechste Altenbericht der Bundesregierung "Altersbilder in der Gesellschaft" (11/2010) macht deutlich, dass die dominierenden Altersbilder in den zentralen Bereichen der Gesellschaft, etwa in der Arbeitswelt, der Bildung, der Wirtschaft, der Politik der Vielfalt des Alters häufig nicht gerecht werden. Oft werden die auch im Alter vorhandenen Potentiale unterschätzt und so alte Menschen in ihrer aktiven Teilhabe am Leben im persönlichen Umfeld und in der offenen Gesellschaft behindert.

Dabei sind die individuellen Selbstbilder im Alter oft anders. So gaben in einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts TNS Emnid (09/2010), 91% der Befragten an, dass sie das Alter als einen Lebensabschnitt ansehen, der von Aktivität und dem Entdecken von Neuem geprägt ist. Besonders ausgeprägt ist unter alten Menschen die Bereitschaft zum Mitwirken in ihrem persönlichen Umfeld, aber auch in freiwilligem Engagement, insbesondere auch in generationenübergreifender Form. Interessanterweise haben 39% der Teenager und der jungen Erwachsenen davor Angst, im Alter keine Rolle mehr zu spielen als die Über-70-Jährigen mit 22%.

Dimensionen des demografischen Wandelns wie Altersbilder und Pflege sollten in den Lerncurricula der hessischen Schulen dringend thematisiert werden.

Quelle: Vortrag von MinDir Dieter Hackler, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend, BAGSO-Fachtagung "Altersbilder und Engagement in der Zivilgesellschaft", 8.11.2010 in Berlin